Archiv für die Kategorie „Cascais 2007“

Berichte eines Süsswasser Staristo der Flotte TB – Teil 9

Samstag, 14. Juli 2007

Cascais 2007ISAF Sailing World Championships Cascais 2007

Teil 9: “Der Letzte”

Am sechsten und letzten vorgesehenen Segeltag blies der am Vorabend bei unserer Heimfahrt aufgekommene Starkwind unvermindert weiter und es fanden keine Läufe mehr statt.

Cascais  07

Zeit deshalb für ein kleines persönliches Segler-Fazit:

  • Die Teilnahme an den „2007 ISAF World Sailing Championships“ hat sich für mich gelohnt. Ich hatte Gelegenheit, mich mit Starkwind- und Wellenverhältnissen auseinander zu setzen, welche ich sonst nicht antreffe. Und mit Gegnern, welche diese Probleme bereits gelöst haben. Ich bin gespannt, was davon auf unseren Binnenrevieren brauchbar ist.
  • Die Professionalität an der internationalen Spitze, oder bei denjenigen Teams, welche noch dorthin wollen, ist für Schweizer Verhältnisse unglaublich hoch. Ich bezweifle nach dem in Cascais Beobachteten, dass wer diese Ambitionen realisieren will, noch einer Berufstätigkeit ausserhalb des Segelsports nachgehen soll. Der Segelsport wird zumindest in den letzten 2 Jahren vor Olympischen Spielen zum Beruf mit allen Konsequenzen für Portemonnaie, Lebensrythmus und Sozialleben. Entsprechend besteht aber eine Zweiklassengesellschaft, denn der olympische Segelsport braucht eben auch seine breite Basis. Und die Basis braucht die Chance, an solchen Spitzenwettkämpfen teilnehmen und an der gestellten Aufgabe wachsen zu können. Die Kluft zwischen diesen beiden Leistungsklassen kann in Anzahl Segelbooten, Segelsätzen, Mästen, Schlauchbooten, Wassertagen und Betreuern diverser Couleur ausgedrückt werden. Die nötige Brücke zwischen den beiden Klassen zu schlagen ist für die ambitionierten Segler aus der Basis selbst schwierig. Es bedarf dazu entsprechender nationaler Strukturen, welche die Schweiz klar noch nicht hat, und vielleicht aufgrund unserer nationalen Eigenheiten gar nie schaffen kann.
  • Der Kontakt mit anderen Seglern beschränkte sich vor allem auf die Starsegler, und auch dort eher auf die am gleichen Steg oder in der gleichen Tableauhälfte segelnden. Eine Nicht-ISAF WM wäre unter dieser Optik sicher interessanter, denn dort geht es zwar auch um viel, aber nicht um Olympia-Nationenplätze.
  • Der Thunersee-Yachtclub ist bei ausländischen Seglern sehr bekannt und beliebt. Positiv erwähnt wurden oft die ausgezeichnete Infrastruktur und die tollen Windverhältnisse. Auch die Frühlings-Euro der Starboote, inklusive Strickmütze und Abendessen auf dem Niesen, ist in Erinnerung geblieben.

Noch ein letztes Wort zu meinem Lieblingsthema „Eierkarton und Teamgewicht“:
Vielen Dank für die gut gemeinten Ratschläge, wie Lorenz und ich mit SUI 8085 trotz mangelndem Gewicht und fehlender Erfahrung mit „Eierkarton“ erfolgreicher sein können.
Aus allen Meldungen wurde inzwischen der Gewinner erkoren: Sein Ratschlag war „Schneller segeln“! Lorenz und ich gratulieren dem Gewinner und wünschen ihm viel Freude an seinem Preis, einem „Halbeli“ Vinho tinto de Casa aus dem Club de Pescadores in Cascais, der etwa so sauer aufstösst wie sein Ratschlag!!!